Riester kündigen: Was vom Guthaben wirklich übrig bleibt
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Welche Beträge gehen bei einer Kündigung ab?
Bei einer Riester-Kündigung erhalten Sie nicht das volle Vertragsguthaben, sondern den Rückkaufswert, und davon bleibt nach drei Belastungen weniger übrig: der Rückzahlung der staatlichen Förderung, den noch nicht getragenen Abschluss- und Vertriebskosten und der Einkommensteuer auf die Erträge, die über Ihre Steuererklärung anfällt. Die Förderung geht zurück, weil der Gesetzgeber eine vorzeitige Kündigung als sogenannte schädliche Verwendung nach § 93 EStG einstuft: Das Geld dient dann nicht mehr dem vorgesehenen Zweck, der lebenslangen Altersversorgung. Die Rechtsfolge steht in § 93 Abs. 1 Satz 1 EStG: Die auf das ausgezahlte geförderte Altersvorsorgevermögen entfallenden Zulagen und die nach § 10a Abs. 4 EStG gesondert festgestellten Beträge sind als Rückzahlungsbetrag zurückzuzahlen[1].
| Abzug | Was abgeht | Rechtsgrundlage |
|---|---|---|
| Staatliche Förderung | Alle gewährten Zulagen sowie die über die Steuererklärung geltend gemachten Steuerermäßigungen (Rückzahlungsbetrag) | § 93 Abs. 1 EStG |
| Verbleibende Vertriebskosten | Abschluss- und Vertriebskosten, die in den ersten fünf Vertragsjahren noch nicht abgetragen sind | § 1 AltZertG[2] |
| Einkommensteuer | Steuer auf den Unterschiedsbetrag zwischen der Leistung nach Abzug der Zulagen und den eingezahlten Beiträgen, festgesetzt über die Steuererklärung | § 22 Nr. 5 Satz 3 EStG[3] |
Ein Punkt verdient besondere Aufmerksamkeit: Reicht Ihr Guthaben bei dem Anbieter nicht aus, um Zulagen und Steuerermäßigungen zurückzuzahlen, fordert die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) den Restbetrag direkt von Ihnen zurück. Nach einer Kündigung kann am Ende also nichts übrig bleiben oder sogar eine Zahlungspflicht entstehen[6]. Welche Alternativen zur Kündigung existieren und warum eine förderschädliche Kündigung teuer werden kann, behandeln wir gesondert unter Riester-Rente kündigen.
Wie rechnen Sie den Auszahlungsbetrag aus?
Die Rechnung folgt immer demselben Muster: Vom Rückkaufswert geht der Rückzahlungsbetrag ab, auf den verbleibenden Betrag fällt Ertragsteuer auf den Unterschiedsbetrag an. Die folgenden Schritte zeigen den Rechenweg; die Beträge setzen Sie aus Ihren eigenen Unterlagen ein. Keine Anlageberatung i.S.d. § 1 Abs. 1a Nr. 1a KWG.
- Schritt 1, Rückzahlungsbetrag: Addieren Sie alle erhaltenen Zulagen und die nach § 10a Abs. 4 EStG gesondert festgestellten Steuervorteile; diese Summe ist der Rückzahlungsbetrag nach § 93 EStG[1].
- Schritt 2, Auszahlungsbetrag vor Steuer: Ziehen Sie den Rückzahlungsbetrag vom Rückkaufswert ab.
- Schritt 3, steuerpflichtiger Unterschiedsbetrag: Ziehen Sie von der Leistung, also dem Rückkaufswert abzüglich der Zulagen, Ihre eingezahlten Beiträge ab (§ 22 EStG)[3].
- Schritt 4, Ertragsteuer: Liegen die Bedingungen der hälftigen Besteuerung vor (siehe unten), fällt die Steuer nur auf den halben Unterschiedsbetrag, andernfalls auf den vollen Betrag; maßgeblich ist Ihr persönlicher Steuersatz im Jahr der Auszahlung.
- Ergebnis: Auszahlungsbetrag vor Steuer minus Einkommensteuer ergibt den Betrag, der Ihnen übrig bleibt. Zum Vergleich: Ohne Kündigung läge das Kapital inklusive Förderung weiter im Vertrag.
Vertrauen Sie diese Rechnung nicht Pauschaltabellen aus dem Netz an, sondern erfragen Sie den aktuellen Rückkaufswert und die erhaltenen Zulagen für Ihren konkreten Vertrag. Nur diese beiden Werte machen die Rechnung belastbar, denn Rückkaufswert und Kostenverlauf unterscheiden sich je nach Anbieter, Produkt und Vertragsjahr erheblich.
Warum ist der Rückkaufswert anfangs so niedrig?
Der Grund liegt in der Kostenverteilung: Bei Riester-Verträgen müssen Abschluss- und Vertriebskosten gleichmäßig auf mindestens die ersten fünf Vertragsjahre verteilt werden, soweit sie nicht als Prozentsatz von den Beiträgen abgezogen werden (§ 1 AltZertG)[2]. Kündigen Sie in dieser Phase, sind ein Teil dieser Kosten noch nicht durch Ihre Beiträge getragen, und der Anbieter zieht den verbleibenden Betrag vom Rückkaufswert ab. In den ersten Vertragsjahren kann der Rückkaufswert deshalb deutlich unter der Summe Ihrer eingezahlten Beiträge liegen.
- Folge bei früher Kündigung: Der noch nicht abgetragene Kostenanteil mindert den Rückkaufswert zusätzlich zur Förderrückzahlung.
- Nach Ablauf der Verteilungsphase sind die Abschluss- und Vertriebskosten in der Regel vollständig getragen; dieser Abzug entfällt bei späteren Kündigungen.
Gerade in der Anfangsphase sind Ruhenlassen und Übertragung daher meist die schonendere Alternative zur Kündigung: Beide erhalten das gebildete Kapital, ohne die Förderung fällig zu stellen. Ob Ruhenlassen oder Weiterzahlen in Ihrer Situation besser passt, rechnen wir Schritt für Schritt unter Riester ruhen lassen durch.
Wann wird nur der halbe Ertrag besteuert?
Nur die Hälfte des Unterschiedsbetrags wird besteuert, wenn zwei Bedingungen gleichzeitig erfüllt sind: Die Auszahlung erfolgt erst ab dem 60. Geburtstag, bei Verträgen ab 2012 ab dem 62. Geburtstag, und der Vertrag lief vor der Auszahlung mindestens zwölf Jahre[5]. Ohne beide Bedingungen ist der volle Unterschiedsbetrag zwischen der Leistung nach Abzug der Zulagen und den Beiträgen steuerpflichtig (§ 22 EStG)[3]. Diese hälftige Besteuerung gilt für alle Vertragsarten, also Riester-Versicherungen, Banksparpläne und Fondssparpläne gleichermaßen.
Wichtig zur Einordnung: Die hälftige Besteuerung ist eine Ausnahme von der Grundregel, nicht der Normalfall[5]. Wer die beiden Bedingungen nicht erfüllt, zahlt auf den gesamten Unterschiedsbetrag Steuern. Prüfen Sie daher vor jeder Kündigung, ob Ihr Vertrag die Bedingungen überhaupt erfüllt, und rechnen Sie beide Varianten durch.
Woher bekommen Sie die Zahlen für Ihren Vertrag?
Für eine belastbare Rechnung brauchen Sie zwei Auskünfte, die Sie beide schriftlich einholen können. Erstens den aktuellen Rückkaufswert, den Ihnen Ihr Anbieter auf Anfrage mitteilt, denn nur er weiß, welche Kosten er im Kündigungsfall abzieht. Zweitens die Übersicht über Ihre bisher gewährten Zulagen und Steuerermäßigungen, die die ZfA über ihren Online-Service bereitstellt; die Auskunft enthält eine Übersicht all Ihrer Riester-Verträge, von denen der ZfA Daten vorliegen[6].
- Rückkaufswert beim Anbieter erfragen: Fordern Sie den aktuellen Rückkaufswert schriftlich an und lassen Sie sich die Abzüge im Kündigungsfall aufschlüsseln[4].
- Förderübersicht bei der ZfA anfordern: Über den Online-Service der Deutschen Rentenversicherung erhalten Sie die Übersicht Ihrer Zulagen und Steuerermäßigungen[6].
- Beide Werte in die Rechnung einsetzen: Rückzahlungsbetrag, Auszahlungsbetrag und Ertragsteuer ergeben sich dann nach dem Muster aus dem zweiten Abschnitt.
Noch ein wichtiger Hinweis zu dieser Auskunft: Wie im ersten Abschnitt beschrieben, kann die ZfA den Rückzahlungsbetrag, den Ihr Guthaben nicht deckt, direkt von Ihnen zurückfordern. Und Ihr Riester-Vermögen unterliegt normalerweise einem Pfändungsschutz, der greift, sobald Sie staatliche Förderung auf Ihren Riester-Vertrag beantragen; kündigen Sie, entfällt dieser Schutz und Ihr Kapital kann gepfändet werden[6].
Kündigen oder ins Altersvorsorgedepot übertragen?
Die Kündigung ist nicht der einzige Ausstieg: Ab 2027 können Sie Ihr Riester-Kapital ohne Rückzahlung der Förderung in ein Altersvorsorgedepot übertragen; die Übertragung auf einen anderen zertifizierten Altersvorsorgevertrag auf Ihren Namen ist keine schädliche Verwendung (§ 93 Abs. 2 EStG). Beim Übertragen gilt: Der aufnehmende Anbieter darf auf das übertragene Kapital keine Abschluss- und Vertriebskosten berechnen, sondern höchstens eine einmalige Verwaltungspauschale von 150 Euro. Der bisherige Anbieter darf für die Übertragung in den ersten fünf Jahren nach Vertragsabschluss höchstens 150 Euro berechnen, danach ist sie kostenfrei; auf neue Beiträge im neuen Vertrag können wieder Abschluss- und Vertriebskosten anfallen. Beachten Sie außerdem: Mit dem Abschluss eines neuen geförderten Vertrags nach dem 31. Dezember 2026 gilt das neue Förderrecht einheitlich für alle Ihre Verträge. Wie der Ablauf der Übertragung Schritt für Schritt funktioniert, beschreiben wir gesondert unter Riester ins Altersvorsorgedepot übertragen. Bevor Sie also kündigen, prüfen Sie die Übertragung in ein Altersvorsorgedepot: Ein kriteriengestützter Anbietervergleich zeigt Ihnen, welche Anbieter die Übertragung zu welchen Konditionen annehmen.
Häufig gestellte Fragen
- Wie viel Geld bekomme ich bei einer Riester-Kündigung ausgezahlt?
- Ausgezahlt wird nur der Rückkaufswert, nicht das volle Vertragsguthaben. Davon zieht der Anbieter die gewährten Zulagen und die über die Steuererklärung genutzten Steuervorteile ab, außerdem können verbleibende Abschluss- und Vertriebskosten den Rückkaufswert mindern, und auf die Erträge fällt Einkommensteuer an.
- Muss ich bei einer Riester-Kündigung die Zulagen zurückzahlen?
- Ja. Die Kündigung gilt steuerlich als schädliche Verwendung im Sinne des § 93 EStG. Die auf das ausgezahlte geförderte Altersvorsorgevermögen entfallenden Zulagen und die nach § 10a Abs. 4 EStG gesondert festgestellten Beträge sind als Rückzahlungsbetrag zurückzuzahlen. Reicht das Guthaben nicht aus, fordert die ZfA den Restbetrag direkt von Ihnen zurück.
- Wann wird bei einer Riester-Kündigung nur der halbe Ertrag besteuert?
- Nur die Hälfte des Unterschiedsbetrags wird besteuert, wenn zwei Bedingungen erfüllt sind: Der Vertrag lief vor der Auszahlung mindestens zwölf Jahre, und die Auszahlung erfolgt ab dem 60. Geburtstag (bei Verträgen ab 2012 ab dem 62. Geburtstag). Ohne diese Bedingungen wird der volle Unterschiedsbetrag zwischen Leistung nach Abzug der Zulagen und den Beiträgen steuerpflichtig.
- Warum ist mein Rückkaufswert so niedrig, obwohl ich jahrelang eingezahlt habe?
- Abschluss- und Vertriebskosten werden laut § 1 AltZertG gleichmäßig auf mindestens die ersten fünf Vertragsjahre verteilt. Kündigen Sie vorher, sind diese Kosten noch nicht abgetragen und werden vom Rückkaufswert abgezogen. In den ersten Vertragsjahren liegt der Rückkaufswert deshalb häufig unter den eingezahlten Beiträgen.
- Wo bekomme ich die genauen Zahlen für meinen Riester-Vertrag?
- Zwei Stellen: Ihr Anbieter teilt Ihnen auf Anfrage den aktuellen Rückkaufswert mit, und die Zentrale Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) der Deutschen Rentenversicherung gibt auf Antrag eine Auskunft über alle vorhandenen Zulagen und Steuerermäßigungen, auch über den Online-Service. Mit beiden Werten können Sie den voraussichtlichen Auszahlungsbetrag überschlagen.
- Ist die Kündigung die einzige Möglichkeit, aus dem Riester-Vertrag herauszukommen?
- Nein. Sie können den Vertrag ruhen lassen und die Beiträge stoppen, ohne die Förderung zu verlieren, oder das Guthaben auf einen anderen Vertrag übertragen. Details dazu behandeln wir im Abschnitt Kündigen oder ins Altersvorsorgedepot übertragen.
- Was passiert ab 2027 mit meinem Riester-Vertrag?
- Für Verträge, die vor dem 1. Januar 2027 abgeschlossen wurden, gilt Bestandsschutz: Sie können den Vertrag mit der bisherigen Förderung weiterführen. Alternativ können Sie in die neue Förderung wechseln oder das Guthaben ohne Rückzahlung der Förderung in ein Altersvorsorgedepot übertragen; mit einem neuen geförderten Vertrag gilt das neue Förderrecht dann für alle Ihre Verträge. Eine Kündigung ist dafür nicht nötig und kostet Sie die gesamte Förderung.
Quellen
- [1]gesetze-im-internet.de
- [2]gesetze-im-internet.de
- [3]gesetze-im-internet.de
- [4]transparent-beraten.de
- [5]test.de
- [6]riester.deutsche-rentenversicherung.de
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